Arbeitszeugnis: Vorlage, Geheimcodes und Formulierungen

Das Arbeitszeugnis ist in Deutschland rechtlich hoch reguliert. Es muss wohlwollend und wahrheitsgemäß sein — zwei Anforderungen, die sich widersprechen können. Die Folge: eine eigene Geheimsprache mit codierten Formulierungen.

Anspruch auf ein Arbeitszeugnis

Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses (Paragraph 109 GewO). Das gilt auch für:

  • Befristete Arbeitsverhältnisse
  • Minijobs und Teilzeitstellen
  • Ausbildungsverhältnisse (Paragraph 16 BBiG)
  • Praktika ab einer Dauer von 3 Monaten
  • Leiharbeitsverhältnisse

Einfaches vs. qualifiziertes Zeugnis

MerkmalEinfaches ZeugnisQualifiziertes Zeugnis
InhaltArt und Dauer der BeschäftigungZusätzlich Leistung und Verhalten
AnspruchImmerAuf Verlangen des Arbeitnehmers
PraxisrelevanzGeringStandard bei jeder Bewerbung

Die Notenskala der Arbeitszeugnisse

NoteTypische Formulierung (Leistung)
Sehr gut (1)hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt
Gut (2)hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt
Befriedigend (3)hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt
Ausreichend (4)hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt
Mangelhaft (5)hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt

Geheimcodes entschlüsselt

FormulierungKlingt nachBedeutet wirklich
war stets bemühtEinsatzbereitschaftHat die Anforderungen nicht erfüllt (Note 6)
zeigte Verständnis für die ArbeitInteresseHat nichts geleistet
war gesellig und trug zur Verbesserung des Betriebsklimas beiTeamplayerAlkoholprobleme
erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäßZuverlässigOhne Eigeninitiative (Note 4)
verstand es, sich gut zu verkaufenKommunikativBlender, wenig Substanz
war bei Kunden beliebtKundenorientiertMöglicherweise zu kundenfreundlich auf Kosten des Arbeitgebers
BAG-Urteil zur Zeugnisberichtigung Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Berichtigung, wenn das Zeugnis unrichtig oder unvollständig ist (BAG 9 AZR 584/13). Verlangt er eine bessere Note als befriedigend (3), muss er beweisen, dass er besser war. Vergibt der Arbeitgeber eine schlechtere Note als befriedigend, muss er das begründen.

Schlussformel: Dankeschön oder nicht?

Die Schlussformel (Dank, Bedauern, Zukunftswünsche) ist kein Pflichtbestandteil — das hat das BAG klargestellt (9 AZR 227/11). Ihr Fehlen ist aber ein negatives Signal. Eine vollständige Schlussformel enthält drei Elemente: Dank für die Zusammenarbeit, Bedauern über das Ausscheiden, gute Wünsche für die Zukunft.

Checkliste Arbeitszeugnis

  1. Qualifiziertes Zeugnis verlangt?
  2. Vollständiger Name und Geburtsdatum korrekt?
  3. Beschäftigungszeitraum korrekt?
  4. Tätigkeitsbeschreibung vollständig?
  5. Leistungsbeurteilung der gewünschten Note entsprechend?
  6. Verhaltensbeurteilung positiv?
  7. Keine versteckten Codes?
  8. Schlussformel mit Dank, Bedauern und Zukunftswünschen?
  9. Datum = letzter Arbeitstag?
  10. Unterschrift des Vorgesetzten oder Geschäftsführers?

Verwandt: Arbeitsvertrag Vorlage und Kündigung Arbeitsvertrag.

Haufig gestellte Fragen

Wie lange kann ich ein Zeugnis verlangen?
Der Anspruch verjährt nach 3 Jahren (Paragraph 195 BGB). Aber: Nach langer Zeit wird es schwierig, ein aussagekräftiges Zeugnis zu erstellen. Fordern Sie es spätestens innerhalb von 3 Monaten nach Ausscheiden an.
Kann ich ein besseres Zeugnis einklagen?
Ja, über eine Zeugnisberichtigungsklage beim Arbeitsgericht. Die Beweislast ist aber geteilt: Verlangt der Arbeitnehmer eine bessere Note als befriedigend, muss er beweisen, dass seine Leistung besser war (BAG 9 AZR 584/13).

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